Eine Anekdote aus Teufen erzählt von einem skeptischen Bauern, einem Feld voller Brennnesseln und Alfred Vogels Überzeugung, dass selbst unscheinbare Pflanzen Aufmerksamkeit verdienen. Die Geschichte geht auf eine Kurzgeschichte von Peter Eggenberger zurück.
Hinweis: Die folgende Begebenheit wird als historische Anekdote wiedergegeben. Aussagen über Blutarmut und Brennnesseln sind keine heutige medizinische Behandlungsempfehlung. Eine Anämie sollte medizinisch abgeklärt und gezielt behandelt werden.
Alfred Vogel in Teufen
Alfred Vogel wuchs in Aesch bei Basel auf und beschäftigte sich schon früh mit Kräutern, Ernährung und Naturheilkunde. Später zog er mit seiner Familie nach Teufen im Appenzellerland. Dort eröffnete er 1937 ein Kurhaus mit Räumen für die Herstellung seiner Präparate.
Mit der Zeit kam eine nahe gelegene landwirtschaftliche Liegenschaft hinzu. Sie bot mehr Platz für den Anbau der Pflanzen, mit denen Vogel arbeitete. Dazu gehörten neben bekannteren Heilpflanzen auch Brennnesseln – für ihn keineswegs bloß lästiges Unkraut.
Der Nachbar und das Brennnesselfeld
In der von Peter Eggenberger erzählten Geschichte bewirtschaftete ein Bauer ein kleines Anwesen ganz in der Nähe von Vogels Kräutergarten. Wenn er am Brennnesselfeld vorbeikam, machte er keinen Hehl daraus, dass er für diese Pflanzen wenig übrig hatte. Für ihn gehörten sie beseitigt, nicht gepflegt.
Eines Tages war seine Tochter bei ihm. Vogel bemerkte, dass das Mädchen blass und wenig munter wirkte. In der historischen Erzählung vermutete er Blutarmut und empfahl dem Bauern, Brennnesselblätter in die Ernährung des Kindes einzubauen.
Ein Rat, dem der Bauer nicht traute
Der Bauer hielt von der Idee zunächst wenig. Dass ausgerechnet das von ihm verspottete „Unkraut“ auf dem Teller landen sollte, erschien ihm absurd. Seine Tochter erzählte die Begegnung jedoch zu Hause weiter.
Die Mutter griff den Gedanken auf und mischte fein geschnittene Brennnesselblätter unter den Salat, ohne daraus zunächst eine große Sache zu machen. In Eggenbergers Geschichte entwickelte sich das Kind in der folgenden Zeit sichtbar zum Positiven und wurde wieder lebhafter.
Aus Spott wird Anerkennung
Als der Bauer schließlich erfuhr, was seine Frau dem Salat hinzugefügt hatte, musste er seine Haltung gegenüber dem Nachbarn und dessen Brennnesseln überdenken. Die Pflanze, über die er zuvor gespottet hatte, sah er plötzlich mit anderen Augen.
Zum Dank luden die Bauersleute Alfred Vogel am darauffolgenden Sonntag in eine nahe Wirtschaft ein. Der Landwirt war in der Erzählung kein Mann vieler Worte. Mit einer gemeinsamen Mahlzeit und einem Getränk zeigte er dennoch deutlich, dass aus seiner Skepsis Anerkennung geworden war.
Warum die Geschichte bis heute erzählt wird
Die Anekdote lebt weniger von einem medizinischen Beweis als vom Kontrast ihrer Figuren: hier der Bauer, der eine Pflanze vorschnell als nutzlos abtut, dort Alfred Vogel, der auch im Unscheinbaren einen möglichen Wert sieht.
Damit passt die Geschichte zu einem wiederkehrenden Gedanken in Alfred Vogels Werk: Natur genau beobachten, Gewohntes hinterfragen und Pflanzen nicht allein danach beurteilen, ob sie in ein gepflegtes Gartenbild passen.
Nach einer Kurzgeschichte von Peter Eggenberger. Auf der früheren A.Vogel-Seite war Ernst Bänziger als Illustrator genannt.
