Heilkräuter selbst zu ziehen ist auch ohne große Gartenerfahrung möglich. Am Beispiel des Roten Sonnenhuts (Echinacea purpurea) lässt sich gut zeigen, worauf es von der Aussaat bis zur Gewinnung eigener Samen ankommt.
Mit Saatgut und dem richtigen Start beginnen
Für die Anzucht können die Samen zunächst in eine Schale oder einen Topf gesät werden. Wie stark sie mit Erde bedeckt werden, hängt von der jeweiligen Pflanzenart und der Größe des Samens ab. Als einfache Orientierung kann die Erdschicht ungefähr doppelt so dick wie der Samen sein. Lichtkeimer bilden eine Ausnahme: Sie dürfen nur sehr dünn bedeckt werden, weil sie für die Keimung Licht benötigen.
Während der Keimphase sollte die Anzuchterde gleichmäßig feucht bleiben. Für Echinacea und viele andere Heilpflanzen ist eine Umgebung um etwa 20 °C für die Anzucht gut geeignet.
Keimlinge rechtzeitig vereinzeln
Sobald sich nach den Keimblättern das erste echte Blatt entwickelt, können die jungen Pflanzen vorsichtig in einzelne Töpfe gesetzt werden. Dieser Schritt gibt den Wurzeln mehr Raum und verhindert, dass sich dicht stehende Keimlinge gegenseitig Licht und Nährstoffe nehmen.
Die ersten rundlichen Blätter vieler zweikeimblättriger Pflanzen sind noch die Keimblätter. Mit dem „ersten Blatt“ ist beim Umpflanzen deshalb das erste danach entstehende, für die Pflanze typische Laubblatt gemeint.
Wann dürfen die Heilpflanzen ins Freiland?
Haben die Jungpflanzen mehrere Blätter gebildet und eine Höhe von ungefähr zehn bis zwanzig Zentimetern erreicht, können sie ins Freiland gesetzt werden. Entscheidend ist, dass keine starken Fröste mehr zu erwarten sind.
Der Standort sollte außerdem einen Boden bieten, in dem überschüssiges Wasser gut abfließen kann. Staunässe belastet viele Pflanzen und kann ihre Anfälligkeit für Pilzerkrankungen oder Schädlinge erhöhen. Das gilt auch für Echinacea.
Geduld bis zur Blüte
Der Rote Sonnenhut blüht gewöhnlich ab dem zweiten Jahr. Bei sehr guten Bedingungen und früher Anzucht kann er bereits im ersten Jahr Blüten bilden. Eine kräftige, etablierte Pflanze kann mehrere Jahre alt werden und mit ausreichend Platz von Jahr zu Jahr mehr Stängel und Blüten entwickeln.
Im professionellen A.Vogel-Anbau wird der passende Erntezeitpunkt an der Entwicklung der Blüten beurteilt. Für den eigenen Garten steht dagegen meist die Freude an einer gesunden, kräftigen Pflanze im Vordergrund.
Eigene Samen für das nächste Gartenjahr gewinnen
Wer Saatgut für die nächste Saison gewinnen möchte, lässt einige verblühte Pflanzen vollständig ausreifen. Erst wenn die Stängel braun und trocken geworden sind, werden die Blütenköpfe abgeschnitten und bei Bedarf weiter getrocknet.
Danach lassen sich die Samen aus den trockenen Blütenständen lösen. Pflanzenreste und Spreu werden entfernt, bevor das Saatgut trocken aufbewahrt und im folgenden Jahr erneut ausgesät wird.
Die wichtigsten Schritte auf einen Blick
- Samen passend zur Pflanzenart in Schalen oder Töpfen aussäen.
- Substrat gleichmäßig feucht halten und geeignete Keimtemperaturen beachten.
- Jungpflanzen nach Ausbildung des ersten echten Blattes vereinzeln.
- Erst nach der Frostperiode ins Freiland pflanzen.
- Staunässe vermeiden und genügend Platz für kräftiges Wachstum lassen.
- Für eigenes Saatgut einige Blüten vollständig ausreifen lassen.
Wer diese Grundlagen beachtet, kann viele Heil- und Küchenkräuter selbst vom Samen bis zur ausgewachsenen Pflanze begleiten – im Beet ebenso wie, je nach Art, in größeren Gefäßen.
