Leuchtend orangerot recken sie sich am dornigen Rosenstrauch, prallvoll mit guten Inhaltsstoffen: Hagebutten, die Früchte verschiedener wild wachsender Rosenarten, besonders der Hundsrose (Rosa canina). Die Früchte von Rosa canina sind ein vitaminreiches Wildobst und traditionelles Hausmittel.
Vorkommen
Die Hagebutte, Hecken- oder Hundsrose ist die gewöhnlichste aller gewöhnlichen Rosen, sie ist sozusagen hundsgemein. Spaß beiseite, der Hund kommt natürlich nicht von ungefähr: Der Name geht auf die frühere Bedeutung der Wurzelrinde als Mittel gegen die Bisse tollwütiger Hunde zurück. Ach ja, und Heckenrose, weil sie von Europa bis Asien fast an jeder (H)Ecke wächst. Dementsprechend groß und verzweigt ist ihre Familie, die der Rosengewächse (Rosaceae).

Von ihr kennt man in Europa 30 meist wildwachsende Arten, weltweit sollen es über 8000 sein – zu ihnen gehören dann auch die edleren und edelsten aller wohlriechenden Pflanzengeschöpfe. Die Wildrosen, nicht edel, aber vitaminreich, schätzen lehmige Böden, blühen im Sommer, und ihre Früchte, die Hagebutten, sollen im Herbst geerntet werden, wenn sie gut ausgereift sind.
Traditionelle Verwendung in der Naturheilkunde
In der klassischen Naturheilkunde kommen sie als Extrakt oder Pulver zum Einsatz. Letzteres wird meist aus den Schalen und Samen der Früchte hergestellt. Geschätzt sind Hagebutten bereits seit der Antike; so empfahl sie Hippokrates als stärkendes und entzündungshemmendes Mittel. Als Teeaufguss wurde Hagebutte im Mittelalter zur Behandlung von Erkältungen, rheumatischen Erkrankungen und Darmbeschwerden verwendet. Gerne setzte man sie auch als Medizin zum Ausschwemmen und Entgiften ein.
Ein breites Anwendungsspektrum hat die Hagebutte bis heute.
Geballte Kraft der Vitamine
Die zierlichen Früchte enthalten erstaunlich vielfältige Nährstoffe. Neben reichlich Vitamin C (stärkt die Abwehrkräfte) auch Pro-Vitamin A (Beta-Carotin, wichtig für unsere Sehkraft); außerdem die Vitamine B1 bis B6, E und weitere, sowie Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium und Eisen etc. Fürs Wohlbefinden interessant sind auch sekundäre Pflanzenstoffe wie Carotinoide (z.B Lycopin), Flavonoide oder Galaktolipide.
Aus der Fülle dieser Inhaltsstoffe leiten sich Effekte der Hagebutte für die menschliche Gesundheit ab.
Neben der Hecken- ist es vor allem die Alpenhagrose, deren Vitamin C-Gehalt beeindruckend ist. Um diesen nicht zu schmälern, sollte man die Früchte am besten roh verwenden. Die Zubereitung z.B. einer Marmelade ist deshalb etwas mühsam. Man geht wie folgt vor: Nach der Ernte werden die Hagebutten aufgeschnitten und alle Härchen und Kerne entfernt. Danach werden sie zerhackt und vermust und mit Zucker, Honig oder Birnel verrührt.
Die Mühe lohnt sich! Lange haltbar ist die Köstlichkeit jedoch nicht: 5–6 Tage im Kühlschrank wie alle roh gerührten Marmeladen. Dafür ist die geballte Kraft der Vitamine drin.
Wussten Sie, dass die Hagebutte mehr Vitamin C enthält als die Zitrone?
Hagebutten sind die Vitamin-C-reichsten Früchte, die bei uns wachsen: Sie enthalten, je nach Reifegrad, bis zu 1250 mg Vitamin C pro 100 g Frucht (Vergleich: In Zitronen stecken ca. 50 mg/100 g).
Mit acht Hagebutten oder 1 EL Hagebuttenmark decken Erwachsene ihren Tagesbedarf an Vitamin C.
Leuchtend rote Früchte
Das leuchtende Rot der Hagebutten sticht Wanderern im Herbst sofort in die Augen. Es handelt sich bei diesen «Beeren» um eine Scheinfrucht, d.h. eine Frucht, die nicht nur von den Fruchtblättern, sondern auch von Teilen der Blüte gebildet wird. In ihr steckt die ganze Vitaminkraft der Heckenrose, die man seit dem Altertum kennt und nutzt: in erster Linie als Erfrischungs-, Frühstücks- und «Grippetee», der mild abführend und harntreibend wirkt.
Hilfreich bei Arthrose-Beschwerden?
Studien zur Wirkung eines standardisierten Pulvers aus Hagebutten mit Kernen wurden in den 2000er- Jahren in Norwegen und Dänemark durchgeführt. «In der ersten wurden 100 Patienten mit arthrotischen Hüft- und Kniegelenken vier Monate lang zweimal täglich entweder mit Placebo oder 2,5 Gramm des Hagebuttenpulvers behandelt. In der zweiten Studie erhielten 112 Arthrose-Patienten drei Monate lang entweder Placebo oder 5 Gramm des Präparats », berichtet die «ÄrzteZeitung».
Fazit: Bei zwei Dritteln der Patienten nahmen die Schmerzen deutlich ab, und die Beweglichkeit der Gelenke besserte sich. In einer der beiden Studien ging auch der Schmerzmittelverbrauch um die Hälfte zurück.

Die entzündungs- und schmerzhemmende sowie antioxidative Wirkung wird unter anderem einem Galaktolipid* (fettlösliche Substanz) zugeschrieben, das dänische Wissenschaftler entdeckt hatten. Es wirkt sich positiv auf die Funktion der Leukozyten aus, welche bei einer Arthrose Entzündungen und Gewebeschäden verursachen können.
Die Forschungsdaten weisen zudem darauf hin, dass das bei den Studien eingesetzte Hagebuttenpulver antioxidativ und membranstabilisierend wirke und so den Aufbau und Zerfall des Knorpelgewebes günstig beeinflusse. Ermuntert von diesen Resultaten bei Gelenkschmerzen, ging Prof. Sigrun Chrubasik, Leiterin des Schwerpunkts Phytotherapie beim Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg, in einer Studie der Frage nach, ob ein Pulver aus Hagebuttenschalen und Samen auch Effekte auf chronische behandlungsbedürftige Rückenschmerzen hat. (Ein Pulver aus Hagebuttenschalen war nicht wirksamer als das Pulver aus den ganzen Hagebutten.) Im Verlauf von 18 Wochen gingen bei zwei Dritteln der Teilnehmenden die Schmerzen um mehr als 50 Prozent zurück.
*Galaktolipid ist nur wirksamkeitsmitbestimmend und nicht der Wirkstoff. Der Wirkstoff setzt sich aus vielen Inhaltsstoffen zusammen, weshalb die Ergebnisse mit einem bestimmten Produkt nicht auf andere Produkte übertragen werden können.
Wirksam für Magen, Niere und Darm?
In einer zusammenführenden Studie wurde eine Vielzahl von Untersuchungen zur Hagebutte weltweit unter die Lupe genommen. Dabei deutete sich an, dass sich das Pulver der Frucht womöglich als Cholesterinsenker eignen könnte. Dank seiner probiotischen Wirkung könnte es auch das Immunsystem stärken. Zudem scheint es bei Reizdarm und als Schutz vor Magengeschwüren einsetzbar. Die pektinhaltigen Früchte können den Stuhlgang fördern. Hagebutte kann vermutlich zur Entspannung der glatten Darmmuskulatur beitragen.
Neben der entzündungshemmenden Wirkung auf die sensiblen Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes haben Hagebutten auch adstringierende (zusammenziehende) und entkrampfende Eigenschaften. Eine harntreibende, entwässernde Wirkung von Hagebutten wird noch weiter erforscht; erste Hinweise dazu gibt es bereits.
In der Volksmedizin gilt die Hagebutte seit jeher als gutes Mittel bei Nieren- und Blasenbeschwerden. Da die Pflanze harntreibende Flavonoide enthält, lässt das einen realen Effekt vermuten. Eine erste Studie liefert Hinweise auf das Potenzial von Hagebuttenpulver in der Vorbeugung von Harnwegsinfekten nach einem Kaiserschnitt, wenn die Gebärende mit einem Blasenkatheter versorgt wird. Bislang wurde in solchen Fällen zur prophylaktischen Gabe von Antibiotika geraten.
In Zellversuchen zeigte sich die Hundsrose hinsichtlich der Hemmung des Bakterienwachstums, insbesondere des Bakteriums Echerichia coli, als effektiv, berichtet die Carstens-Stiftung.
Weitere Forschung erwünscht
Kritiker der durchgeführten Hagebutten-Studien bemängeln allerhand «methodische Schwierigkeiten». Wichtig zu wissen ist auch, dass der Wirkstoff, der in den skandinavischen Untersuchungen eingesetzt wurde, produktspezifisch ist – die dänischen Ergebnisse können folglich nicht einfach auf andere Hagebuttenpulver oder -produkte übertragen werden.
Gleichwohl darf man die Erkenntnisse mit einem gewissen Optimismus betrachten – sie scheinen das zu untermauern, wovon man in der Volksheilkunde schon lange ausgeht. Die an den Studien beteiligten Forscherinnen und Forscher betonen selbst, dass es weitere, umfangreichere Untersuchungen mit belastbaren wissenschaftlichen Daten braucht.
Hagebutten-Rezepte
Darüber hinaus kennen die Großmütter mit Sicherheit noch die traditionelle Verarbeitung der Hagebutte zu Marmelade, Kompott, Sirup und Mus, das wiederum in süßen Suppen, Aufläufen, Baisers, Puddings und im Müsli verwendet wird.
Hagebuttentee
- Früchte waschen und Stiele und Blütenansätze entfernen.
- Halbieren und Samen mit Härchen entfernen (am besten gegen Juckreiz Haushaltshandschuhe tragen).
- Nach dem Ausschaben die Schalen abspülen.
- Hagebuttenschalen an einem warmen Ort mehrere Tage komplett durchtrocknen lassen.
- Nach Belieben zerkleinern.
- 2 TL Schalen mit 250 ml Wasser aufkochen.
Um den Vitamin-C-Gehalt aus den Hagebuttenschalen vollständig in den Tee zu überführen, bedarf es einer Kochzeit von mindestens 30 Minuten.
Hagebuttenmus
- Früchte waschen, im Topf mit Wasser bedecken und köcheln, bis die Früchte sehr weich geworden sind (20 bis 30 Minuten).
- Hagebutten und Kochwasser mit einem Mixer pürieren. Dabei so viel zusätzliches Wasser beigeben, dass eine cremige Masse entsteht.
- Hagebuttenmasse mit einem Spachtel nochmals durch ein feines Sieb streichen, damit alle Kerne und Härchen entfernt sind.
- Mus nach Belieben süßen und warm verzehren.
Gut gepflegt mit Hagebuttenöl
Aus den Kernen der Früchte verschiedener Wildrosen wird Hagebuttenöl gewonnen und kalt gepresst, damit die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Das Öl kann hellgelb bis orangerot sein. Es enthält Fruchtund Ölsäuren, Mineralstoffe, Vitamine sowie sekundäre Pflanzenstoffe und ist für medizinische ebenso wie für kosmetische Zwecke geeignet. Dank der ungesättigten Omega-3-Fettsäure Alpha- Linolsäure ist das Öl für jeden Hauttyp geeignet.
Eingesetzt wird es bevorzugt bei rissiger, trockener und schuppiger Haut. Angenehm wirkt es besonders bei Verletzungen im Mundraum; es fördert die Regeneration der Mundschleimhäute. Der enthaltene Pflanzenfarbstoff Lycopin wirkt antioxidativ und schützt die Hautzellen vor freien Radikalen, d.h. vor den Ursachen vorzeitiger Hautalterung. Hagebuttenöl soll die Feuchtigkeit und Elastizität der Haut erhöhen. Es zieht schnell ein, ohne ölige Rückstände zu hinterlassen.
